Klimaneutrale Gebäude in Deutschland

Es klang eigentlich schon gut und verschrecke auch viele: Das hohe Ziel der Bundesregierung, dass der Gebäudebestand in der Bundesrepublik bis 2050 „klimaneutral“ sein sollte. Das Klimakonzept sah vor, dass Altbauten wie auch Neubauten ab 2050 die Menge an Energie, die sie verbrauchen, ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen  konsumieren sollten. Soweit ein Ziel, das sicherlich gut gemeint ist. Denn nach den Berechungen des Wirtschaftsministeriums ist der Immobilienbestand in Deutschland für knapp die Hälfte des Energiebedarfs und für ein Drittel der CO2-Emissionen verantwortlich. Dies liegt unter anderem daran, dass in der Vergangenheit kaum ein Hausbesitzer auf die Dämmung und Dichtigkeit geachtet hat. Vor 1979 gab es noch keine Wärmeschutzverordnung und auch danach wurde aufgrund der hohen Kosten der Investition das Thema vom Bauherren ignoriert.

Nun belegt eine Studie der Wirtschaftsforschung Halle (IWH), dass der Weg zum klimaneutralen Deutschland viel steiniger ist, als angenommen. Demnach ist der Energieverbrauch vieler unsanierter Gebäude deutlich geringer, als bislang angenommen. Auch ist der Aufwand, ein Gebäude nach den Vorgaben zu sanieren, teilweise deutlich höher, als angenommen. Das größte Einsparpotential haben demnach Bauten aus den Jahren 1958 bis 1978. Bei diesen Bauten sind die Wände oftmals sehr dünn und die Fassaden sind schlicht gehalten. Hier sollen Einsparungen von 20 bis 40 Prozent des Energiebedarfs möglich sein. Doch die Sanierung von Altbauten vor 1918 stellen die Experten teilweise vor erhebliche Schwierigkeiten. Denkmalgeschütze Fassaden, teilweise verschnörkelt, kann man nicht einfach in Dämmstoff packen. Auch in weniger aufwändigen Fällen müssten teilweise mehr investiert werden, als ökonomisch sinnvoll wäre. Soll heißen, dass es sich einfach nicht lohnt, manche Gebäude so aufwändig zu sanieren.

Inzwischen ist die Bundesregierung zurückgerudert. Ziel ist nach wie vor, die CO2-Emission zu reduzieren. Doch inzwischen ist nur noch von einer Verringerung von 80 Prozent zu lesen. Es soll vor allem die „Wirtschaftlichkeit“ beachtet werden. Lediglich bei Neubauten soll das klimaneutrale Gebäude Standard werden.

Zu groß wären auch die Unwegsamkeiten, die auf Mieter zukommen. Denn die Sanierung, ob wirtschaftlich oder nicht, würde sich in jedem Fall auf den Mietzins niederschlagen. Selbst wenn großzügige Subventionen für die Sanierung ausgeschüttet werden würden: Die Zeche hätte der Steuerzahler zu bezahlen.

Durch steigende Energiepreise ist es ein Anliegen jedes Mieters und jedes Eigenheimbesitzers, dass sein Domizil möglichst wenig Energie verbraucht. Letztlich ist der Hang zum Umweltschutz immer ein Blick in den eigenen Geldbeutel.

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