Schichtenfernsehsender Premiere

Mit allen Mitteln versucht der Bezahlsender Premiere seit Jahren uns potentielle Kunden als zahlende Abonnenten zu werden. Ob im Fernsehspot oder in der Printwerbung. Premiere ist überall. Kaum eine Kneipe die es sich leisten kann, nicht per Leuchtreklame an der Pforte auf die übertragung der  Fußball-Bundesliga hinzuweisen.

Und trotzdem werde ich nicht Kunde. Warum auch? Es ist sicherlich angenehm, noch weitere TV-Sender zu haben. Dank digitaler Kabelbox habe ich nun noch mehr Sender. Noch mehr Sender, auf denen nichts gescheites kommt. Nun brauche ich einige Minuten mehr, bis ich alle TV-Sender durchgezappt habe. Minuten, in denen meine Mitbewohnerin mir aufgeregt die TV-Fernbedienung aus der Hand reißen will. Wäre da noch Platz für Premiere? Sicher, aber nicht zu diesem Preis! Werfen wir einen Blick auf die aktuellen Premiere-Preise. Ein „Hauptpaket“ kostet 19,99 Euro im Monat, zwei Pakete 34,99 Euro. Zusätzlich einmalig 40 bis 70 Euro für diverse Technik. Also rund 20 Euro, die meine Haushaltskasse zusätzlich belasten. Wenn ich einmal im Monat zu zweit ins Kino gehe, ist dieser Preis sicherlich zu rechtfertigen. Mit Chips, Popcorn für die Frau und ein Bier für mich kann ich mir das Spielfilmpaket und den Sportkanal leisten. Aber gehe ich wirklich jeden Monat einmal ins Kino?

Mir fällt sofort die Aussage einer bekannten Bankangestellten ein. Ohne das Bankgeheimnis zu brechen sagte sie einmal zu mir, dass jeder, der auf der Bank kein Geld mehr bekommt, auch Premiere habe. Kosten, die die Bank per Rücklastschrift zurückbucht. Sicherlich eine pauschale Verallgemeinerung, doch genau für diese Gruppe rechtfertigt sich Bezahlfernsehen. Der gemeine Arbeitnehmer, der am Wochenende einmal einen Film schaut, überlegt sich zweimal, ob er sich zwölf Monate an einen Vertrag bindet. Für einen mit reichlich Freizeit ausgestatteter Angestellter der öffentlichen Arbeitsagentur ist das Angebot wahrscheinlich lukrativer.

Premiere hat im vergangenen September die Zahl von 3,4 Millionen Abonnenten genannt. Im Januar 2009 meldete die Bundesagentur für Arbeit eine Arbeitslosenzahl von 3.489.000 (Quelle: www.arbeitsagentur.de).

Inzwischen wurde jedoch die Zahl der Abonnenten vom Premiere-Chef Mark Williams um eine Million nach unten korrigiert. Offenbar hat das Management bewusst eine Million Karteileichen dazugerechnet, um die zu meldende Abonnentenzahl künstlich auf hohem Niveau zu halten. Wie zu entnehmen ist, hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) einem Bericht der Wirtschaftszeitung Euro am Sonntag zufolge deshalb eine „förmliche Untersuchung wegen des Verdachts des Insiderhandels und der Marktmanipulation in Aktien der Premiere AG“ eingeleitet. Diese falsche Veröffentlichung gilt als Ordnungswidrigkeit oder sogar als eine Straftat. Sollte sich der Verdacht auf eine Straftat erhärten, werde das Verfahren an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet, so Euro am Sonntag.

Wenn dem so ist, dürften bei Premiere nicht nur „gängige“ Mitarbeiterentlassungen anstehen, sondern auch ein Bauernopfer im Management wird zu finden sein. Es ist zu hoffen, dass die Entlassenen wenigstens über einen Sozialplan mit einem Premiere-Abo versorgt werden.

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