Der Porsche Coup – Teil 1

23. Juni 2006: Porsche will seinen Anteil an VW auf 25,1 Prozent aufstocken und bittet das Bundeskartellamt diesen Schritt zu prüfen. Anders als bei anderen Aktiengesellschaften ist damit noch keine Sperrminorität erreicht, denn das VW-Gesetz enthält eine Stimmrechtsbegrenzung bei 20 Prozent. Porsche rechnet damit, dass der Europäische Gerichtshof das VW-Gesetz 2007 kippen wird.

13. Februar 2007: EU-Generalanwalt Damazo Ruiz-Jarabo Colomer beantragt, einer Klage der Europäischen Kommission gegen das VW-Gesetz stattzugeben.

24. März 2007: Der Porsche-Aufsichtsrat genehmigt die Erhöhung des VW-Anteils auf mehr als 30 Prozent.

29. Mai 2007: Das Land Niedersachsen kauft für rund 41 Millionen Euro weitere VW-Aktien. Damit will Ministerpräsident Wulff  verhindern, dass der Länderanteil bei den Stimmrechten unter 20 Prozent sinkt.

23. Oktober 2007: Der Europäische Gerichtshof verwirft das deutsche VW-Gesetz, das dem Land Niedersachsen Sonderrechte am Wolfsburger Automobilkonzern sichert. Porsche-Chef Wiedeking begrüßt das Urteil: „Wir sind daran interessiert, unsere Stimmrechte auch voll ausüben zu können“.
Die große Koalition in Berlin beginnt mit einer änderung des VW-Gesetzes. Das Ziel, dass Niedersachsen weiterhin ein Vetorecht behalten soll, immer vor Augen.

3. März 2008: Der Porsche-Aufsichtsrat genehmigt eine Aufstockung der Beteiligung an VW auf mehr als 50 Prozent.

Herbst 2008: Porsche teilt überraschend mit, dass man sich bereits einen großen Teil der VW Stammaktien gesichert habe und eine übernahme von Volkswagen in greifbare Nähe gerückt sei.

19. September 2008: Die VW-Aktie schließt mit einem plus von 27 Prozent auf einem Rekordhoch von 305 Euro. „Ich kann mich nicht erinnern, dass ein Dax-Wert schon einmal mehr als 25 Prozent gestiegen ist“, sagte der Auto-Analyst Frank Schwope von der NordLB dem Handelsblatt.

29. September 2008: Porsche legt Pflichtangebot für Audi vor, nachdem Porsche Mitte September seine Anteile an VW auf mehr als 35 Prozent aufgestockt hat. „Allerdings sieht Porsche Audi als integralen Bestandteil des Volkswagen-Konzerns und hat nicht die Absicht, Audi herauszulösen“, betonte Porsche. Porsche bietet den Audi-Aktionären lediglich den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestpreis von 485,83 Euro je Aktie.

07. Oktober 2008: Die Volkswagen-Aktie steigt seit Wochen entgegen des Börsen-Trend nach oben. Heute erreicht das Papier ein Kursgewinn von 50 Prozent. Mit 452 Euro wurde zwischenzeitlich ein neuer Rekordkurs gehandelt. Ein Kursgewinn von mehr als 150 Prozent seit Jahresanfang.

21. Oktober 2008: Die VW-Aktie setzt ihre Talfahrt fort und verliert 12,4 Prozent. Kurs: 242,75 Euro.

23. Oktober 2008: Während fast alle deutschen Aktien ins Minus rutschten, legte die VW-Aktie wochenlang kräftig zu. Seit einer Woche hat die VW-Aktie jedoch 40 Prozent ihres Wertes verloren. Heute fällt sie um rund sieben Prozent auf 226 Euro.

27. Oktober 2008: Ein mehr als 200-prozentiger Kurssprung der VW-Aktie treibt die Börse. Neues Kurshoch von 635 Euro.

28. Oktober 2008: Die Volkswagen-Aktie kostet zweitweise 1005 Euro. Damit ist Volkswagen 300 Milliarden Euro wert und damit das teuerste Unternehmen der Welt.

29. Oktober 2008: Porsche weist von sich, an den Turbulenzen um den VW-Aktienkurs schuld zu sein. „Wir verkaufen keine Stammaktien, nur Optionen“, sagte ein Sprecher. Die Stuttgarter hatten am Wochenende bekanntgeben, ihren Anteil an VW auf 42,6 Prozent erhöht zu haben und zusätzlich 31,5 Prozent in Form von Optionen zur Kurssicherung zu halten.

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