Biosprit aus Algen – die vernünftige Alternative?

Schon in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts – aufgeschreckt durch die ölkrise- untersuchte das US-Energieministerium welche Möglichkeiten Algen zur Energiegewinnung bieten. Die Forscher des National Renewable Energy Laboratory (NREL) kamen damals zu dem Schluss, dass die ölgewinnung aus Algen im Vergleich zu fossilen Brennstoffen zu unwirtschaftlich sei. Grundlage für diese Bewertung war ein Preis von 20 Dollar pro Barrel öl. Durch die schwindenden Vorkommen und ölpreise von zeitweise über 100 Dollar pro Barrel ist diese alternative Energiequelle plötzlich wieder hochinteressant.

Die Idee, mit Hilfe von Algen Energie zu gewinnen, ist genial. Die winzigen Lebewesen betreiben fortwährend Photosynthese und verwandeln Kohlendioxid in Sauerstoff. Das öl, das sie dabei produzieren, macht einen Großteil ihrer Masse aus – und daraus lässt sich Treibstoff gewinnen. Doch der Weg zu einer kostengünstigen und effizienten Energiequelle ist noch ein langes und hochspekulatives Abenteuer.

Anders als bisher für Biosprit eingesetzter Mais sind Algen kein Grundnahrungsmittel. Es droht keine Hungersnot oder Unterversorgung der Einwohner, da die Anlagen in Küstengebieten gebaut werden können, die nicht für die konventionelle Landwirtschaft geeignet sind. Weiterer Vorteil von Algen ist ihr schnelles und rasantes Wachstum. So können Algen ihre Masse mehrmals täglich verdoppeln und ergeben bedeutend mehr öl pro Hektar als bisherige Bioenergieproduzenten wie etwa Raps, Palmen oder Soja. Schnelles Wachstum und verzicht auf fruchtbaren Boden machen diese Alternative sehr interessant. Algen gedeihen sogar in Dreck- und Salzwasser. Der Einsatz von Pestiziden oder Düngern ist unnötig. Angewiesen sind Algen neben Wasser vor allem auf zwei Dinge: Kohlendioxid und Sonnenlicht, wenn sie in Becken gezüchtet werden. Es besteht auch die Möglichkeit, Algen in geschlossenen Tanks zu züchten. Dann jedoch ist der Einsatz von Zucker notwendig, der konventionell gewonnen werden muss.

Fachleute sprechen davon, dass sich aus einem Hektar Raps etwa 1800 Liter Biodiesel pro Jahr gewinnen lassen. Aus Palmen kann die Ausbeute rund 6000 Liter betragen. Aus Algen sollen 10 000 bis 25 000 Liter möglich sein; manche Fachleute halten sogar noch erheblich mehr für möglich.

Aus dem Stadium purer Spekulation ist dieser Biosprit längst heraus. Inzwischen hat bereits das erste Flugzeug, betankt mit Biokraftstoff, erfolgreich vom Boden abgehoben. Der Flugzeugbauer Boeing rechnet damit, dass Flugzeuge schon im Jahr 2013 mit Biotreibstoff fliegen könnten. Einige auf Algenbasis entwickelte Kraftstoffe hätten sogar ein höheres Leistungspotenzial als bisherige Kraftstoffe.

Der Boom der Biokraftstoffe hat seine Schattenseiten: Die staatliche Förderung von Biokraftstoffen verstärkt den Hunger in der Welt. Raps und Mais sind keine Alternativen. Die Nutzung von Landwirtschaftsflächen für Biokraftstoffe, die bisher nur Nahrungsmittelproduktion genutzt wurden, kann kein Ziel sind. Um den Energiehunger der Welt mit Algen zu stillen, müsste man – so ein McKinsey-Report – rund 250 000 Quadratkilometer mit Algentanks bebauen. Eine Fläche die gerade einmal in etwa der alten Bundesrepublik Deutschland entspricht.

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